Als Forscherin in der Chinderstube

Erziehungswissenschaftlerin Nicole Hekel in der Chinderstube Olten

Wer Nicole Hekel im Rhythmikzimmer auf dem Fussboden sitzen sieht, umringt von ein paar Kindern, die herumtollen, hält sie für ein Team-Mitglied der Kita Chinderstube Olten. Doch die junge Frau hat eine andere Aufgabe. Die Diplomassistentin am Departement Erziehungswissenschaften der Universität Fribourg ist als Forscherin nach Olten gekommen. Ethnographie, wörtlich übersetzt Völkerbeschreibung, nennt sich die Methode des teilnehmenden, vorurteilfreien Beobachtens und das „Volk“ das Nicole Hekel in Olten beschreiben soll, sind Kinder im Vorschulalter. Im Rahmen des Forschungsprojektes PINKS (Partizipation in der frühesten Kindheit) des Zentrums für Frühkindliche Bildung der Universität Fribourg und der Stiftung Mercator Schweiz befasst sich die Erziehungswissenschaftlerin mit der Frage, ob und wie Kinder in Kindertagesstätten schon früh mitbestimmen und bei Entscheidungen einbezogen werden können. Hekel ist sich bewusst, dass „Partizipation“ als Begriff im Kita-Alltag meist nicht direkt verwendet wird. Aber Mitbestimmungsmöglichkeiten von Kindern kann in ganz alltäglichen Situationen beobachtet werden, zum Beispiel, wenn gemeinsam entschieden wird, welche Lieder im Morgenkreis gesungen werden. Denn dass Kinder miteinbezogen werden sollten, das wird auch für die frühe Kindheit – spätestens seit der UN-Kinderrechtskonvention – als unbestritten angesehen.

Chinderstube eine von 9 Kitas in der Schweiz
In neun Kitas in verschiedenen Gemeinden und Kantonen beobachtet das Forschungsteam unter der Leitung von Professor Sascha Neumann auf diese Weise den Alltag der Kinder und der Betreuungspersonen, in jeder Institution während 10 Tagen. Die dabei gemachten Aufzeichnungen werden auf den Computer übertragen und aus Datenschutzgründen anonymisiert. Die Beobachtungsprotokolle werden anschliessend vom Projektteam ausgewertet und interpretiert. Die Praxisbeispiele sollen die Grundlage für einen Leitfaden mit „Best Practices“ für Partizipation in Kindertagesstätten bilden, der später allen interessierten Einrichtungen kostenlos zur Verfügung stehen wird. Auch eine Fortbildung zum Thema soll daraus entwickelt werden.
Das Projekt gehe bewusst von der Praxis aus, betont Hekel. „Wir wollen nicht vom Elfenbeinturm herab Richtlinien vorlegen.“  Vielmehr versucht das Projekt PINKS herauszufinden, was sich in der bereits Praxis bewährt, wie gute Ansätze verstärkt und Bewährtes verbessert werden kann.

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